Das macht Mut

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

Ich bin Steffi und arbeite in einem Kindergarten als Erzieherin.

Ich freue mich jeden Tag darüber, mit "meinen Kleinen" im Kindergarten zusammen zu sein.

Ich finde, Kinder sind das Wertvollste, das wir haben und mein Herz gehört in besonderer Weise den Sorgenkindern. Vielleicht kommt das daher, dass auch ich einmal ein Sorgenkind war.

Ich hatte mit 5 Jahren eine Aneurysmablutung (d. h. eine Arterie in meinem Gehirn war an einer Stelle erweitert und ist gerissen und es kam dadurch zu einer Blutung). Ich lag danach 2 Monate in der Uniklinik in Erlangen und musste viele meiner bereits erworbenen Fähigkeiten wieder erlernen, z. B. gehen und sprechen. Von meiner Aneurysmablutung ist mir eine Halbseitenlähmung (rechts) geblieben, d. h. ich hinke und kann meinen rechten Arm nur zur Unterstützung (z. B. beim Tragen) einsetzen und meine rechte Hand fast gar nicht. (Ich muss damals aber trotzdem einen großen Schutzengel gehabt haben, weil so eine Aneurysmablutung auch lebensbedrohlich sein kann.)
Ich ging danach in normale Schulen und bin meinen Eltern so dankbar, weil sie alles für mich taten und es ermöglichten, dass ich aufwuchs wie jedes andere "normale" Kind auch.

Ich bin mir sicher, dass meine Eltern in der Zeit nach meinem Krankenhaus-aufenthalt die Unterstützung von Ärzten vermissten, die sie sich gewünscht hätten, und auch ich habe erst vor wenigen Jahren einen Hausarzt kennen gelernt, dessen Unterstützung mir gut tut.

Als seine Patientin war ich vor 2 Jahren zum ersten mal auf einer Reha-bilitationsmaßnahme (umgangssprachlich wird es auch als Kur bezeichnet) in Konstanz und mir hat die Zeit dort physisch und psychisch sehr gut getan.

Damals sah ich, dass ich mit meiner rechten Hand viel mehr tun kann als ich dachte und ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass ich mir seit etwa einem Jahr mit der rechten Hand die Zähne putze. Etwa zum selben Zeitpunkt begann ich auch wieder mit Krankengymnastik (mit der ich aufhörte, als es sich nicht mehr mit der Schule vereinbaren ließ).

Schon als Kind träumte ich davon im Kindergarten zu arbeiten (Als ich einmal in der Grundschule ein Bild von meinem Traumberuf zeichnen sollte, malte ich mich mit 2 Kindern an der Hand neben einem Sandkasten!) und für mich kam nie ernsthaft ein anderer Beruf in Frage. In meiner Ausbildung zur Erzieherin begegnete ich einigen Menschen, die dachten eine Erzieherin müsste perfekt sein bzw. zwei funktio-nierende Hände haben. Aber ich gab meinen Traumberuf nie auf und ich bin so froh, dass ich Menschen begegnete, die sahen, dass ich Kinder liebe und ich sie gerne ein Stückchen ihres Weges begleiten möchte.
Für meine Kindergartenkinder ist es selbstverständlich, dass ich so bin wie ich bin. Sie fragen nicht, warum ich nur eine Hand einsetze. Sie sind nur erstaunt, wenn sie sehen, dass ich ihnen die Schuhschleife mit einer Hand binden kann.

Vor einigen Jahren machte ich auch den Führerschein (auf einem eigens für mich umgebauten Auto).

Meine Geschichte und das Schicksal der Kinder, um die es hier geht, sind vielleicht ganz unterschiedlich. Aber vielleicht gelingt es mir, die Eltern der Sorgenkinder ein wenig zu ermutigen, nicht aufzugeben.